(Wieder)Entdecktes

Dr. Auguste Lange - Deutschlandweit die erste Frau in einem städtischen Amt

Im September 1918 informierte der Bund Deutscher Frauenvereine in der von ihm herausgegebenen Frauenzeitschrift „Die Frau" darüber, dass mit Frl. Dr. Auguste Lange am 1. April 1918 erstmalig in Deutschland eine Frau als Direktorin eines städtischen Amtes in der Saalestadt berufen wurde. Bereits von 1912 bis 1917 in Halle als Wohnungspflegerin tätig, „... jetzt Dozentin an der Hochschule für Frauen in Leipzig, wurde (Dr. Auguste Lange) von den städtischen Körperschaften in Halle zur Direktorin des neu errichteten Wohnungsamtes ernannt. Die Anstellung erfolgt auf Lebenszeit und mit der Eigenschaft eines Gemeindebeamten, und sie ist um so bemerkenswerter, als eine völlige Gleichstellung in Rang und Gehalt mit den übrigen Direktoren besteht. " [1]

Vor 145 Jahren, am 03.05. 1881, in Frankfurt/ Main in einer Kaufmannsfamilie geboren, wuchs Auguste Lange in einem bürgerlichen Haushalt auf, der auch Mädchen eine vielseitige Bildung ermöglichte. Nach dem Besuch der Realgymnasialkurse in ihrer Heimatstadt begann sie an den Universitäten in Freiburg/ i. B., München und Berlin Volkswirtschaft und Philosophie zu studieren. Auguste Lange promovierte 1911 erfolgreich zum Dr. rer. pol. (Staatswissenschaften). Anschließend sammelte sie erste Erfahrungen im Öffentlichen Dienst ihrer Heimatstadt als Mitarbeiterin im sozialen Bereich.

Im Februar 1912 folgte Dr. Auguste Lange der Berufung als Wohnungsinspektorin nach Halle. Ihre Aufgabe war es, Wohnungen zu erfassen und zu besichtigen. Dabei gab sie den Besitzern und Mietern Ratschläge und Hinweise für deren bessere Nutzung sowie zur Förderung von Hygiene und Sauberkeit. Ihr Engagement, Durchsetzungsvermögen und fachliche Kompetenz zeichneten sie ebenso aus wie eine enge Zusammenarbeit mit der Stadtschwester.

Während des I. Weltkrieges übernahm die inzwischen über Dreißigjährige die Leitung und Organisation des Ermittlungsdienstes im Nationalen Frauendienst, zu dessen Vorstand sie gehörte. Außerdem engagierte sie sich im Halleschen Frauenbildungsverein und erteilte zwischen 1913 und 1919 im Nebenamt Unterricht im Fach Volkswirtschaftslehre an der Städtischen Frauenschule. Für etwa ein Jahr verlies Auguste Lange 1917 die Saalestadt, um als Dozentin für Nationalökonomie und Sozialpolitik an der Hochschule für Frauen in Leipzig zu unterrichten.

Als sich im Herbst 1918 die Deutsche Demokratische Partei (DDP) gründete, übernahm Dr. Auguste Lange Vorstandsverantwortung und kandidierte sowohl am 02.03.1919 als auch am 27.04.1919 bei der Stadtverordnetenwahl erfolgreich für ihre Partei. Als eine von sieben weiblichen (und 59 männlichen) Abgeordneten im Stadtparlament befasste sie sich mit einer Vielzahl kommunalpolitischer Themen. Außerdem, wenn auch erfolglos, kandidierte sie 1919 für den Provinziallandtag und 1920 für den Reichstag.

Als Direktorin des Städtischen Wohnungsamtes richtete Dr. Lange das Hauptaugenmerk insbesondere auf die Verbesserung der Wohnsituation in der Stadt. Die inzwischen auf ca. 190 000 gewachsene Einwohnerzahl, die ständig steigende Geburtenrate, die sich rasant entwickelnde Industrie und der Zuzug weiblicher und männlicher Arbeitskräfte aus dem Umland verstärkten die bereits bestehenden Probleme. Hausbesitzer vermieteten zu Höchstpreisen und so wuchs nicht nur das „Schlafstellenunwesen" in den Arbeitersiedlungen. Sogenannte „Schlafgänger" waren für die Familien eine Einnahmequelle, widersprachen aber Moral und Hygiene.

Abhilfe zu schaffen, setzte sich die Wohnungsdirektorin u.a. für die Einrichtung der Christlichen Herberge für junge Männer in der Mauerstr.7, des Städtischen Asyl für obdachlose Frauen mit Kindern in den Weingärten und ein Asyl für Mädchen im Marthahaus in der Sophienstr. 6-7 ein.

Entstehende Mietskasernen für Arbeiterfamilien, zwar sehr beengt und oft nicht den hygienischen Anforderungen entsprechend, entspannten die akute Wohnungsnot. Gleichzeitig orientierte Dr. Lange auf die nachbarschaftliche Hilfe zwischen den Familien. Dabei betonte und förderte sie die Rolle der Frau als Mittelpunkt in der Familie, als Mutter, als Erzieherin und Hüterin von Moral und Anstand.

Außerdem regte Dr. Auguste Lange die Schaffung von Werkssiedlungen, Kleinwohnungen für Familien, Arbeiterwohnungen für Ledige mit dazugehörenden sozialen Einrichtungen durch Fabrikbesitzer und Unternehmen an. Sie führte diesbezüglich auch erste Verhandlungen mit den Leuna-Werken.

Darüber hinaus engagierte sich die Wohnungsdirektorin für eine verstärkte Professionalisierung und Profilierung der Helfer und Angestellten im sozialen Bereich.

Das umfangreiche und vielseitige Wirken von Dr. Auguste Lange brachte der Stadt große Fortschritte in der Entwicklung der Stadtgesellschaft und wurde hoch anerkannt. Aber es zehrte auch an ihren Kräften, weshalb sie im November 1922 aus gesundheitlichen Gründen ihr Amt niederlegte.

Im Alter von 42 Jahren verstarb Frl. Dr. rer. pol. Auguste Lange am 2. September 1923 nach langem Leiden . Wenige Tage später fand die Trauerfeier auf dem Gertraudenfriedhof statt.

Die Stadtverwaltung würdigte in ihrem Nachruf die Persönlichkeit der ersten Direktorin des Städtischen Wohnungsamtes als Vorbild strenger Gerechtigkeit und treuer Pflichterfüllung wie auch als verständnisvolle und wohlwollende Beraterin.[2]


Anmerkungen:

[1] Die Frau, Jahrgang 25/26 (1917-1919), Heft 9 (1918), S. 312.

[2] Hallische Nachrichten vom 04.09.1923, S. 6.

 

Literatur:

Ingrid Herrmann/Brigitte Klemm/Heidrun Jähnichen: „Der Staat ist, was seine Frauen sind." - Hallenser Parlamentarierinnen in der Zeit der Weimarer Republik (1918-1933), in: Frauenleben - Frauenalltag - gestern und heute, Halle 2003.

 

Monika Langer, 2026

Amalie Krüger (1816-1903) war eine der Ersten.

Herzlichen Glückwunsch zum 210. Geburtstag!


Amalie Krüger (1816-1903)

Amalie Krüger war eine der ersten, 1846/47 noch von Friedrich Fröbel persönlich ausgebildeten Kindergärtnerinnen und eine der ersten Berufsausbilderinnen für Frauen.

Engagiert setzte sie sich ebenso für Frauenbildung und die Etablierung einer qualifizierten Berufsausbildung für Kindergärtnerinnen wie für die Verbreitung der Fröbelschen „Kindergärten" als Bildungseinrichtung für Kinder im Vorschulalter ein.

„Kindergärten" waren nicht, wie die damals vorherrschenden „Kinderbewahranstalten", vorrangig soziale Einrichtungen für Arme, sondern wollten den Familien pädagogische Hilfestellung bei der bestmöglichen Entwicklung ihrer Kinder bieten. Der „Begründer des Kindergartens", Friedrich Fröbel (1782-1852), hatte eine Bildungsmethode für Kinder im Vorschulalter entwickelt, die auf dem Spiel als zentrale Lernform basierte. Jedes Kind - gleich welchen Standes und welcher Religion - sollte sich zu einem selbstbewussten, selbsttätigen Menschen und zugleich zu einem verantwortungsbewussten Teil der Natur und der Gesellschaft entfalten können. Diese unverkennbar demokratischen Ideale vertrat auch Amalie Krüger (05.04.1816-03.02.1903). Hoffnungsvoll begrüßte sie die Revolution im März 1848 in einem Brief an ihren Lehrer Friedrich Fröbel: „Die Zeit ist reif. Großes geschieht überall! Ich will, ich muß mitarbeiten am herrlichen Neubau der Zukunft. Die Grundsteine, die echtesten und festesten Grundsteine sind doch die heranwachsenden Kinder! Es leben die Kindergärten!"1.

Während der Revolution 1848/49 und in den Jahren der Reaktion geriet Amalie Krüger aufgrund der damals engen Verflechtung der Kindergartenbewegung mit der Demokratiebewegung und der frühen (bürgerlichen) Frauenbewegung in den Wirkungskreis jener Männer und Frauen, die um Demokratisierung der gesellschaftlichen Verhältnisse rangen und dabei u.a. auch für das Recht der Frauen auf Bildung und Erwerbstätigkeit eintraten.

Amalie Krüger wurde Mitinitiatorin der Hamburger Hochschule für Frauen (1850-1852), einem der wichtigsten Projekte der frühen deutschen Frauenbewegung. Sie hat 1849 aktiv die erforderlichen Kontakte zwischen der Hamburger Initiatorinnengruppe um Emilie Wüstenfeld und Familie Karl und Johanna Fröbel in Zürich hergestellt. Sie hat sich anschließend wiederholt eingeschaltet, um das Hochschulprojekt voranzubringen und durch eine Verbindung der Schule mit Friedrich Fröbel möglichst günstige Bedingungen für deren Bestehen zu schaffen.

Als Ausbilderin für Kindergärtnerinnen an der Frauenhochschule in Hamburg und später (1860-1881) in Berlin im Zweiten Kindergarten des Berliner „Frauenvereins zur Beförderung der Fröbel'schen Kindergärten" (ab 1874 „Berliner Fröbelverein"). hat sie ihren Beitrag zur Herausbildung eines der ersten Ausbildungsberufe für Frauen geleistet.

Amalie Krüger hat nie publiziert. Sie war keine bekannte Pädagogin und wortgewaltige Vorkämpferin für Frauenrechte, doch trug ihr Wirken zur Verbreitung einer speziellen Kleinkindpädagogik wie auch zur Akzeptanz von Bildung für Frauen und weiblicher Berufstätigkeit als gesellschaftlich zu akzeptierende Norm bei.

 

Anmerkung:

1 Amalie Krüger an Friedrich Fröbel, 25.3.1848 (Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung/Archiv, Nachlaß Friedrich Fröbel, Sig.: 1.1.03, Mappe 528).

 

Literatur:

  • Fröbel, Karl und Johanna: Hochschule für Mädchen und Kindergärten als Glieder einer vollständigen Bildungsanstalt, welche Erziehung der Familie und Unterricht der Schule verbindet, Hamburg 1849.
  • Manz, Emma: Fröbels Schülerin Amalie Krüger und ihr Wirken in Hamburg, (unveröffentlichtes Manuskript, 1953, Staatsarchiv Hamburg, Sig.: A 760/60).
  • Münchow, Katja: Amalie Krüger - eine der ersten Kindergärtnerinnen. In: Anfänge des Kindergartens. Schriften des Friedrich-Fröbel-Museums Bad Blankenburg, Bd. 2, Bad Blankenburg 2000.
  • Dies.: Amalie Krüger (1816-1903) - eine Kindergärtnerin und Mitstreiterin Friedrich Fröbels in der Revolution 1848/49. In: Bleiber, Helmut/Walter Schmidt/Susanne Schötz (Hrsg.): Akteure eines Umbruchs. Männer und Frauen der Revolution von 1848/49. Berlin 2003.
  • Dies.: Zur Geschichte öffentlicher Kleinkinderziehung in Sachsen-Anhalt. In: Stolze, Elke (Hrsg.): FrauenOrte. Frauengeschichte in Sachsen-Anhalt, Bd. 2, Halle (Saale) 2008.

 

 Katja Münchow, 2026

Dorothea, herzliche Glückwünsche zum 375.!

Wenn das kein Grund zum Feiern ist!

Respektvoll wurde sie die Händelin genannt, die Rede ist von der tatkräftigen, klugen, selbstbestimmten Dorothea Taust, verehelichte Händel.

In Dieskau am 10. Februar 1651 geboren - eine Kindheit geprägt von Not und Armut durch die Zerstörungen des 30jährigen Krieges - aufgewachsen als Pfarrerstochter im Amtsdorf Giebichenstein als drittes von sechs Geschwistern. 

Im Unterschied zu anderen Mädchen ihrer Zeit erhielt Dorothea über das übliche Maß hinaus Bildung und sammelte Erfahrungen in der Krankenpflege, was ihr Ansehen und Anerkennung brachte. Ein Ehemann passte nicht in Dorotheas Weltbild, was ihr Vater akzeptierte. 
Aber warum änderte sie mit fast 30 Jahren ihre Vorstellungen von einem sinnerfüllten Leben?

In den Jahren 1681 bis 1683 grassierte die Pest in Halle. Zu den zahlreichen Opfern gehörte auch die Ehefrau des 60jährigen Georg Händel, Amtsarzt, Chirurg und Leibarzt des Herzogs August von Sachsen - Weißenfels. Dessen nun folgender Antrag zur Heirat mit Dorothea fand ebenso Zustimmung bei ihrem Vater wie durch seine Tochter. Das Ansinnen des Amtsarztes erschien Dorothea Taust vernünftig, so dass sie eigene Vorstellungen änderte. Die Hochzeit erfolgte am 23.04.1683.

Dorothea übernahm den großen Haushalt mit allen Pflichten, die die gesellschaftliche Stellung ihres Mannes erforderte. Aus der auf Respekt und Vertrauen basierenden Ehe entwickelte sich eine innige Beziehung. Sie schenkte vier Kindern das Leben. Das zweite Kind war der am 23.02.1685 geborene spätere Komponist Georg Friedrich. Dessen musikalische Begeisterung und besondere Veranlagung wurde von der Mutter gefördert, selbst entgegen dem ausgesprochenen Willen des Vaters. Das war eine sehr mutige Handlung, die gewiss bedeutenden Einfluss auf seine musikalische Entwicklung hatte.

Nach dem Tod ihres Ehemannes war Dorothea Händel durchaus in der Lage für ihre Kinder zu sorgen und sie zu erziehen, ohne erneut eine Ehe eingehen zu müssen.

Nach einem erfüllten Leben ist die Händelin im hohen Alter von 79 Jahren am dritten Weihnachtstag 1730 verstorben. Sie wurde auf dem Stadtgottesacker in Halle beigesetzt.

Godela Hein, 2026


 

 

Hallischer Frauenbildungsverein

„Der Verein bezweckt die Förderung aller berechtigten Frauenbestrebungen der Gegenwart."


... so beschrieb der Hallische Frauenbildungsverein e.V. eines seiner Vereinsziele und artikulierte sich damit eindeutig als Frauenverein. Initiiert durch Frl. Dr. Agnes Gosche gründeten Frauen im März 1900 diesen als Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins. Mitglied konnte jede volljährige, verheiratete und unverheiratete Frau werden. So finden sich neben Lehrerinnen, Ärztinnen, Sozialbeamtinnen auch Professoren- und Pastoren-Ehefrauen - um nur einige Beispiele zu benennen - in der Mitgliederliste. Die Mitgliederzahl schwankte zwischen 190 bis 200 Frauen. Hinter einem Teil der Vereinsfrauen standen einflussreiche und stadtbekannte Ehemänner, was die Wirkungsmöglichkeiten des Vereins zweifellos begünstigte. Seiner langjährigen Vorsitzenden Dr. Agnes Gosche, insbesondere ihrem Geschick und Organisationstalent, verdankt der Verein seine große Ausstrahlung und Angebote. Dazu gehörten z.B. die Fortbildungskurse für schulentlassene Mädchen, der Arbeitsnachweis für gebildete Frauen, die Auskunftsstelle über Frauenberufe und Bildungsmöglichkeiten für Frauen, aber auch die Rechtsschutzstelle für unbemittelte Frauen. Auf Anregung von Dr. Agnes Gosche wurde im Mai 1908 ein Volkskindergarten gegründet. Der Verein betreute die von einer geprüften Kindergärtnerin geleitete Einrichtung in den folgenden Jahren. Ab 1912 erhielt der Volkskindergarten auf dem Gelände der Bethke-Lehmann-Stiftung in der Burgstraße 45 seine neue Heimstatt und der Frauenbildungsverein seine neue Adresse. Einige der Einrichtungen, deren Ideen und Verwirklichung der Tatkraft der Frauen des Hallischen Frauenbildungsvereins zu verdanken waren, gingen schließlich in städtische Verantwortlichkeit über oder wurden von anderen Vereinen weitergeführt. Dies gilt z.B. für den von Frau Justizrat Bennewiz gegründeten Rechtsschutzverein für Frauen, der aus der Rechtsschutzstelle für unbemittelte Frauen hervorging. Sozialpädagogische Einrichtungen wie der Mädchenhort, der schon genannte erste Volkskindergarten oder die Kinderlesehalle gingen später in städtische Verwaltung über. Die städtische Frauenschule übernahm die Unterrichtskurse von Dr. Agnes Gosche für Frauen und Mädchen Volksschullehrerinnen führten die Arbeit in den Fortbildungskursen für schulentlassene Mädchen weiter. Das Bildungsangebot des Hallischen Frauenbildungsvereins war außerordentlich vielseitig. Es reichte von Literatur- und Kunstgeschichte über Rechtslehre und Sprachen bis zur Gesundheitslehre, Pädagogik und Politik. Die Frauen organisierten Buchbesprechungen, Vorträge, Feiern und Aufführungen.


Im Januar 1928 legte Agnes Gosche nach 28 Jahren ihren Vorsitz in der Gewissheit nieder, dass ihr Lebenswerk trotz der Herausforderungen der schwierigen Jahre der Weimarer Republik in guten Händen ist. Viele mit der Gründung der Weimarer Republik verbundenen Hoffnungen auf neue Impulse und Möglichkeiten für die Frauen und die Frauenpolitik waren nicht in Erfüllung gegangen. Der Hallische Frauenbildungsverein schloss sich 1931 als Ortsgruppe dem Deutschen Staatsbürgerinnenverband an. Angesichts der drohenden Gleichschaltung unter dem Dach des Deutschen Frauenwerkes löste sich der Staatbürgerinnenverband selbst auf. Vor diesem Hintergrund machte der Hallische Frauenbildungsverein seine Entscheidung rückgängig. Gleichwohl der Hallische Frauenbildungsverein weiterhin fortbestand, ist nach dem 2. Weltkrieg keine Neuzulassung beantragt worden. Stattdessen erfolgte 1947 die amtliche Löschung des Vereins im Vereinsregister. Der wohl bedeutendste Frauenverein der Saalestadt seit der Jahrhundertwende hatte sein Leben gelebt. Es waren arbeitsreiche anspruchsvolle und erfolgreiche Vereinsjahre, ehe er in die Geschichtslosigkeit gedrängt wurde.


Quelle: Albrecht-Dimitrowa, L.: Hilfe zur Selbsthilfe - Frauenvereine in Halle, Teil 2, in: Frauenleben- Frauenalltag gestern und heute, Courage e.V. Halle., 1996

 

Claudia Jandt, 2025

Frauentag: Vor 100 Jahren mit roten Kopftüchern für Frauenrechte

Am Abend des 5. März 1925 sorgten hunderte Frauen für verdutzte Gesichter bei dem Massenaufgebot der Polizei. Mit roten Kopftüchern waren sie zur Auftaktveranstaltung der Internationalen Frauenwoche im „Volkspark" erschienen. Die Landtagsabgeordnete Hedwig Krüger erinnerte in ihrer Rede an den Frauenprotest gegen den Krieg im Sommer 1914 und prangerte die vorherrschenden schlechten Arbeitsbedingungen und Einkommensverhältnisse an. Sie appellierte an die Frauen, für den Achtstundentag, für gleiche Löhne und den Schutz der Kinder sowie für die Abschaffung der Strafrechtsparagraphen 218/19 zu kämpfen.


Hedwig Krüger war in Halle keine Unbekannte. Die 1882 geborene Tochter des Formers August Hennig hatte ihre Kindheit und Jugend in der Saalestadt verbracht. Geprägt durch ein sozialdemokratisches Elternhaus engagierte sie sich frühzeitig im Arbeiterbildungsverein sowie für die Förderung der Jugendweihe. Die mit dem Tischler Max Krüger verheiratete Hedwig verwitwete frühzeitig und sorgte, selbst kinderlos, für die vier Kinder ihrer verstorbenen Schwester und den Sohn ihres Bruders.


Zunächst ab 1908 in der SPD, später in der USPD und ab 1920 in der KPD politisch aktiv, war sie 1919 Mitglied des Arbeiterrates in Halle und kandidierte erfolgreich bei den Kommunalwahlen im April 1919 sowie im Mai 1924 für das Stadtparlament. Beide Mandate legte Hedwig Krüger vorzeitig nieder, ersteres angesichts ihrer Verurteilung zu einer Haftstrafe wegen ihrer Beteiligung an den Märzkämpfen im Mansfelder Land. Sie hatte das Lazarett in Wimmelburg mit aufgebaut und dort Verwundete betreut. Das zweite Mandat legte sie aufgrund ihres errungenen Landtagsmandates im Zuge der Wahlen in Preußen im Dezember 1924 nieder. Ihr Hauptaugenmerk legte Hedwig Krüger insbesondere auf das Recht der Frauen auf Arbeit und deren Gleichbehandlung, vor allem bei der Entlohnung, Erwerbslosenunterstützung sowie Rentenversicherung.


Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten arbeitete sie bis zu ihrer Verhaftung im November 1934 unter falschem Namen als Reisevertreterin in Leipzig. Nach den Verhören durch die Gestapo in Leipzig und Halle wurde sie über das KZ Lichtenburg in das Frauen-KZ Moringen verbracht, wo sie im Dezember eingetroffen war. Angesichts ihrer unveränderten politischen Überzeugung lehnte die Lagerleitung eine Entlassung Ende Mai 1935 ab und ordnete stattdessen weitere vier Wochen Einzelhaft an. Hedwig Krüger verstarb am 16. Februar 1938 an den Folgen ihrer Haft.

 

Elke Stolze, 2025