(Wieder)Entdecktes

Dorothea, herzliche Glückwünsche zum 375.!

Wenn das kein Grund zum Feiern ist!

Respektvoll wurde sie die Händelin genannt, die Rede ist von der tatkräftigen, klugen, selbstbestimmten Dorothea Taust, verehelichte Händel.

In Dieskau am 10. Februar 1651 geboren - eine Kindheit geprägt von Not und Armut durch die Zerstörungen des 30jährigen Krieges - aufgewachsen als Pfarrerstochter im Amtsdorf Giebichenstein als drittes von sechs Geschwistern. 

Im Unterschied zu anderen Mädchen ihrer Zeit erhielt Dorothea über das übliche Maß hinaus Bildung und sammelte Erfahrungen in der Krankenpflege, was ihr Ansehen und Anerkennung brachte. Ein Ehemann passte nicht in Dorotheas Weltbild, was ihr Vater akzeptierte. 
Aber warum änderte sie mit fast 30 Jahren ihre Vorstellungen von einem sinnerfüllten Leben?

In den Jahren 1681 bis 1683 grassierte die Pest in Halle. Zu den zahlreichen Opfern gehörte auch die Ehefrau des 60jährigen Georg Händel, Amtsarzt, Chirurg und Leibarzt des Herzogs August von Sachsen - Weißenfels. Dessen nunnun folgender Antrag zur Heirat mit Dorothea fand ebenso Zustimmung bei ihrem Vater wie durch seine Tochter. Das Ansinnen des Amtsarztes erschien Dorothea Taust vernünftig, so dass sie eigene Vorstellungen änderte. Die Hochzeit erfolgte am 23.04.1683.

Dorothea übernahm den großen Haushalt mit allen Pflichten, die die gesellschaftliche Stellung ihres Mannes erforderte. Aus der auf Respekt und Vertrauen basierenden Ehe entwickelte sich eine innige Beziehung. Sie schenkte vier Kindern das Leben. Das zweite Kind war der am 23.02.1685 geborene spätere Komponist Georg Friedrich. Dessen musikalische Begeisterung und besondere Veranlagung wurde von der Mutter gefördert, selbst entgegen dem ausgesprochenen Willen des Vaters. Das war eine sehr mutige Handlung, die gewiss bedeutenden Einfluss auf seine musikalische Entwicklung hatte.

Nach dem Tod ihres Ehemannes war Dorothea Händel durchaus in der Lage für ihre Kinder zu sorgen und sie zu erziehen, ohne erneut eine Ehe eingehen zu müssen.

Nach einem erfüllten Leben ist die Händelin im hohen Alter von 79 Jahren am dritten Weihnachtstag 1730 verstorben. Sie wurde auf dem Stadtgottesacker in Halle beigesetzt.

Godela Hein, 2026


 

 

Hallischer Frauenbildungsverein

„Der Verein bezweckt die Förderung aller berechtigten Frauenbestrebungen der Gegenwart."


... so beschrieb der Hallische Frauenbildungsverein e.V. eines seiner Vereinsziele und artikulierte sich damit eindeutig als Frauenverein. Initiiert durch Frl. Dr. Agnes Gosche gründeten Frauen im März 1900 diesen als Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins. Mitglied konnte jede volljährige, verheiratete und unverheiratete Frau werden. So finden sich neben Lehrerinnen, Ärztinnen, Sozialbeamtinnen auch Professoren- und Pastoren-Ehefrauen - um nur einige Beispiele zu benennen - in der Mitgliederliste. Die Mitgliederzahl schwankte zwischen 190 bis 200 Frauen. Hinter einem Teil der Vereinsfrauen standen einflussreiche und stadtbekannte Ehemänner, was die Wirkungsmöglichkeiten des Vereins zweifellos begünstigte. Seiner langjährigen Vorsitzenden Dr. Agnes Gosche, insbesondere ihrem Geschick und Organisationstalent, verdankt der Verein seine große Ausstrahlung und Angebote. Dazu gehörten z.B. die Fortbildungskurse für schulentlassene Mädchen, der Arbeitsnachweis für gebildete Frauen, die Auskunftsstelle über Frauenberufe und Bildungsmöglichkeiten für Frauen, aber auch die Rechtsschutzstelle für unbemittelte Frauen. Auf Anregung von Dr. Agnes Gosche wurde im Mai 1908 ein Volkskindergarten gegründet. Der Verein betreute die von einer geprüften Kindergärtnerin geleitete Einrichtung in den folgenden Jahren. Ab 1912 erhielt der Volkskindergarten auf dem Gelände der Bethke-Lehmann-Stiftung in der Burgstraße 45 seine neue Heimstatt und der Frauenbildungsverein seine neue Adresse. Einige der Einrichtungen, deren Ideen und Verwirklichung der Tatkraft der Frauen des Hallischen Frauenbildungsvereins zu verdanken waren, gingen schließlich in städtische Verantwortlichkeit über oder wurden von anderen Vereinen weitergeführt. Dies gilt z.B. für den von Frau Justizrat Bennewiz gegründeten Rechtsschutzverein für Frauen, der aus der Rechtsschutzstelle für unbemittelte Frauen hervorging. Sozialpädagogische Einrichtungen wie der Mädchenhort, der schon genannte erste Volkskindergarten oder die Kinderlesehalle gingen später in städtische Verwaltung über. Die städtische Frauenschule übernahm die Unterrichtskurse von Dr. Agnes Gosche für Frauen und Mädchen Volksschullehrerinnen führten die Arbeit in den Fortbildungskursen für schulentlassene Mädchen weiter. Das Bildungsangebot des Hallischen Frauenbildungsvereins war außerordentlich vielseitig. Es reichte von Literatur- und Kunstgeschichte über Rechtslehre und Sprachen bis zur Gesundheitslehre, Pädagogik und Politik. Die Frauen organisierten Buchbesprechungen, Vorträge, Feiern und Aufführungen.


Im Januar 1928 legte Agnes Gosche nach 28 Jahren ihren Vorsitz in der Gewissheit nieder, dass ihr Lebenswerk trotz der Herausforderungen der schwierigen Jahre der Weimarer Republik in guten Händen ist. Viele mit der Gründung der Weimarer Republik verbundenen Hoffnungen auf neue Impulse und Möglichkeiten für die Frauen und die Frauenpolitik waren nicht in Erfüllung gegangen. Der Hallische Frauenbildungsverein schloss sich 1931 als Ortsgruppe dem Deutschen Staatsbürgerinnenverband an. Angesichts der drohenden Gleichschaltung unter dem Dach des Deutschen Frauenwerkes löste sich der Staatbürgerinnenverband selbst auf. Vor diesem Hintergrund machte der Hallische Frauenbildungsverein seine Entscheidung rückgängig. Gleichwohl der Hallische Frauenbildungsverein weiterhin fortbestand, ist nach dem 2. Weltkrieg keine Neuzulassung beantragt worden. Stattdessen erfolgte 1947 die amtliche Löschung des Vereins im Vereinsregister. Der wohl bedeutendste Frauenverein der Saalestadt seit der Jahrhundertwende hatte sein Leben gelebt. Es waren arbeitsreiche anspruchsvolle und erfolgreiche Vereinsjahre, ehe er in die Geschichtslosigkeit gedrängt wurde.


Quelle: Albrecht-Dimitrowa, L.: Hilfe zur Selbsthilfe - Frauenvereine in Halle, Teil 2, in: Frauenleben- Frauenalltag gestern und heute, Courage e.V. Halle., 1996

 

Claudia Jandt, 2025

Frauentag: Vor 100 Jahren mit roten Kopftüchern für Frauenrechte

Am Abend des 5. März 1925 sorgten hunderte Frauen für verdutzte Gesichter bei dem Massenaufgebot der Polizei. Mit roten Kopftüchern waren sie zur Auftaktveranstaltung der Internationalen Frauenwoche im „Volkspark" erschienen. Die Landtagsabgeordnete Hedwig Krüger erinnerte in ihrer Rede an den Frauenprotest gegen den Krieg im Sommer 1914 und prangerte die vorherrschenden schlechten Arbeitsbedingungen und Einkommensverhältnisse an. Sie appellierte an die Frauen, für den Achtstundentag, für gleiche Löhne und den Schutz der Kinder sowie für die Abschaffung der Strafrechtsparagraphen 218/19 zu kämpfen.


Hedwig Krüger war in Halle keine Unbekannte. Die 1882 geborene Tochter des Formers August Hennig hatte ihre Kindheit und Jugend in der Saalestadt verbracht. Geprägt durch ein sozialdemokratisches Elternhaus engagierte sie sich frühzeitig im Arbeiterbildungsverein sowie für die Förderung der Jugendweihe. Die mit dem Tischler Max Krüger verheiratete Hedwig verwitwete frühzeitig und sorgte, selbst kinderlos, für die vier Kinder ihrer verstorbenen Schwester und den Sohn ihres Bruders.


Zunächst ab 1908 in der SPD, später in der USPD und ab 1920 in der KPD politisch aktiv, war sie 1919 Mitglied des Arbeiterrates in Halle und kandidierte erfolgreich bei den Kommunalwahlen im April 1919 sowie im Mai 1924 für das Stadtparlament. Beide Mandate legte Hedwig Krüger vorzeitig nieder, ersteres angesichts ihrer Verurteilung zu einer Haftstrafe wegen ihrer Beteiligung an den Märzkämpfen im Mansfelder Land. Sie hatte das Lazarett in Wimmelburg mit aufgebaut und dort Verwundete betreut. Das zweite Mandat legte sie aufgrund ihres errungenen Landtagsmandates im Zuge der Wahlen in Preußen im Dezember 1924 nieder. Ihr Hauptaugenmerk legte Hedwig Krüger insbesondere auf das Recht der Frauen auf Arbeit und deren Gleichbehandlung, vor allem bei der Entlohnung, Erwerbslosenunterstützung sowie Rentenversicherung.


Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten arbeitete sie bis zu ihrer Verhaftung im November 1934 unter falschem Namen als Reisevertreterin in Leipzig. Nach den Verhören durch die Gestapo in Leipzig und Halle wurde sie über das KZ Lichtenburg in das Frauen-KZ Moringen verbracht, wo sie im Dezember eingetroffen war. Angesichts ihrer unveränderten politischen Überzeugung lehnte die Lagerleitung eine Entlassung Ende Mai 1935 ab und ordnete stattdessen weitere vier Wochen Einzelhaft an. Hedwig Krüger verstarb am 16. Februar 1938 an den Folgen ihrer Haft.

 

Elke Stolze, 2025